Die aggressive Werbung der Schweizer Online Casinos

Heute morgen wurde ein Freund, auch Pokerspieler, von einer SMS von mycasino.ch geweckt. Der Inhalt: «Wichtig! Seine erforderlichen Dokumente hochzuladen».

In meiner 15-jährigen Online Spielerfahrung, habe ich dies noch nie erlebt, dass ich von einem Glücksspielanbieter (ausser zur unmittelbaren Verifizierung), mir eine SMS geschickt wurde.

Momentan findet ein regelrechter Wettlauf betreffend “aggressive Werbung” der Schweizer Online Casinos statt. Die Medienunternehmen freut es. Meine Meinung: Sie sollten erst mal besser ihr Geld in die Verbesserung der Qualität ihrer Produkte (siehe letzter Blog) und Prozesse investieren, als für Werbung ausgeben.

Doch das ganze System steckt bereits in einem Abhängigkeitsstrudel!

Wer heute sich online bewegt, dem ist vielleicht diese professionell gekaufte Werbung (durch das Brand Studio) oder auch Angstmache auf Blick.ch aufgefallen: Diese suggeriert, dass man nur in der Schweiz auf den legalen Online Casino Seiten sein Geld erhält und enthält natürlich auch gerade einen Onlinelink unter dem Satz «Bei offiziell konzessionierten Schweizer Online-Casinos» auf das Angebot von mycasino.ch, dem Angebot des Grandcasinos Luzern verlinkt.

Agressive Werbung der Schweizer Online Casinos
Aggressive Werbung der Online Casinos

«Ja Ok», fragst Du Dich vielleicht gerade, «ist ja nur Werbung, und sie sind neu und müssen doch werben».

Doch schauen wir doch einmal hinter die Kulissen, wie diese gesponsorten und «angeblichen kritischen» Artikel mit der Trichterfunktion funktionieren:

Trichterwerbung

Aggressive Werbung der Schweizer Online Casinos

Achtung liebe legale Online Zocker:

Ein Vorbehalt betreffend der Auszahlung wird solange gemacht, bis Dein Konto verifiziert ist.

Ein allfälliger Gewinn ohne dieses Verfahren, geht dann direkt an die AHV (Schweizer Institution zur Altersvorsorge)!

Erklärung zum Bild links (Trichterwerbung)

  • Kontakte: Kritische Spieler werden angesprochen
  • Erfolgstory: «Nur bei uns erhalten Sie Ihren Gewinn»
  • Erzähle es weiter: «Nur bei den Schweizer Online Casinos erhältst Du Dein Geld auf sicher»
  • Spielsucht: Hinweis zum Kundenservice und NICHT dass Spielen süchtig machen kann.
  • Der Fisch ist an der Angel: Endlich bist Du auf der Online Casino Seite!
  • Binden: Durch 100% Bonus und viele Freispiele und ev. Reise nach Las Vegas im Wert von 5000 CHF
  • Spielsuchthinweis: «Verantwortungvolles Spielen» auch rechts in Navigation «nicht prominent» plaziert. Mit Prominent gemeint ist: Andere Farbe, anderes Wording wie: «Spielsucht kann ihre Familie zerstören»
  • Die Spiele beginnen sofort: Auswahl zwischen Slots und Casinotischspielen verfügbar (Poker: Fehlanzeige)
  • Binden mit «Ohne Geld Spiel»: Demo Slots können sofort ohne eine Registrierung ausprobiert werden.
  • Suchtmechanismen greifen schon bei der Demo: Die Töne und kleine Gewinne suggerieren ein positives Körpergefühl und machen süchtig.
  • Erste Einzahlung wird mit Bonus belohnt: 100% Bonus (Achtung muss 35x riskiert werden –>mycasino.ch )
  • Anonymer Cash: Paysafe ist zugelassen (kann anonym an jedem Kiosk gekauft werden)
  • Abklärung Spielberechtigung: Bleibt vorbehalten bis das Konto vollständig verifiziert und Abklärung der Sperrliste gemacht wurde. Ansonsten heisst es: Keine Auszahlung!

Bist Du schon unten im Trichter angekommen?

Doch warum will der Blick mit der Spielsucht mitverdienen? Die Antwort ist einfach: Es lohnt sich!

Durch die Klicks weiss der Casinoanbieter woher die Besucher kommen. So rechnet sich die Arbeit des bezahlten Artikels durch das Brand Studio schnell. Je nach Vertrag, verdient der Vermittler an dem im Online Casino erzielten Verlust, an jedem gebrachten Spieler mit.

Affiliates beim Glücksspiel: Ein System wo der Vermittler am Verlust des Spielers kassiert

Als ich dieses Modell heute meinem Vater beim Mittagessen erzählte, schüttelte er nur der Kopf. Doch ist dies nichts Neues:

Denn die aggressive Werbung (jetzt in der Schweiz sogar noch per SMS) gehört seit Jahren bei der weltweiten Glücksspielbranche zum Tagesgeschäft.

Warum wird nicht mehr darüber in den Medien berichtet? – Zu viele Abhängigkeiten!

Mein Vater fragte mich dann:

«Warum wird nicht mehr darüber berichtet, zum Beispiel im Konsumentenmagazin «Beobachter» oder im «Kassensturz»?».


Meine Antwort:

Weil «Der Beobachter»gehört wie der Blick zum Ringierkonzern und der «Kassensturz» wird neben der Serafe Jahresabgabe, auch durch Werbung im Schweizer Fernsehen (SRF) von Online Casinos finanziert.»

Dabei ist exzessives Spielverhalten die viert grösste gesellschaftliche Sucht!

Glücksspielbranche: Wer kassiert und wer verliert?

Mitverdiener an der aggressiven Werbung von Schweizer Online Casinos

Kurze Erklärung zur Grafik: Oben stehen die Gewinner, in der Mitte und unten die Verlierer!

Schon gelesen? Neue Verbote ermöglichen neue Berufsbilder wie der «Vermieter von Accounts (Link)»

Dabei war die Werbeflut der mittlerweile ausgesperrten Onlinecasinos nie so gross wie heute. Die Intensität der vier legalen Schweizer Online Casinos ist enorm.

Ähnlich wie bei anderen problematischen Suchtverhalten, öffnet die aggressive Werbung der Schweizer Onlinecasinos ein Eingang in einen direkten Abwärtsstrudel der Spielsucht. Sie ist höchst problematisch und wird in der Öffentlichkeit unter den Teppich gekehrt.

Schon bei der Gesetzestextberatung zum neuen Geldspielgesetz, weigerten sich die Vertreter damals der lizenzierten Glücksspielbranche: Nur ein halbes Prozent mehr in die Glücksspiel Prävention zu investieren.

Dies können Sie jetzt für die eigene Werbung ausgeben!

Die Spielsucht wird durch die neuen Online Casinos sicher nicht weniger. Zumal letzthin auch noch die Casinos Bern und Interlaken eine Konzession erhalten haben.

Wer sich die grosse Grafik oben ansieht, merkt sofort wer am Schluss die Zeche für die Spielsüchtigen in Deiner Wohngemeinde bezahlt: Du, mit deinen Steuern!

Helfen kann nur ein aktiver Spielerschutz, welcher für Online und Glücksspiele (inkl. Lotto etc.) gilt. Mehr zu diesem Modell erfährst Du hier in meinem Vorschlag (Link)

Spielt fair.

Cheers Martin Bertschi