Geldspielreferendum – warum?

Die Debatten im Nationalrat betreffend dem “Geldspielgesetz” sind abgeschlossen. Die Casino- und Lotterielobby hat sich fast vollumfänglich durchgesetzt.  Dazu kamen noch Sondierungs- oder Differenzierungsabsprachen, welche  zwischen den Parteien (Casinolobby und Lotterien und dem Schweizer Pokerverband “SPOV”) geführt, wurden.

Doch waren da die richtigen Herren am grünen Tisch und braucht es ein Geldspielgesetzreferendum ?

Schweizerischer Pokerverband

René Ruch

Pokerverband – wie bitte?

In einer kurzen und knappen offiziellen Mitteilung auf Buy-in.ch schreibt der Schweizerische Pokerverband, das Pokerturniere ab 1. Januar 2019 wieder erlaubt werden. Das tönt doch schon einmal ganz ordentlich. Aber – wie bitte? Es gibt einen Schweizerischen Pokerverband? Gibt es ein Geldspielgesetzreferendum?

Ja den scheint es wirklich schon seit 2008 zu geben (anfänglich noch unter pokerverband.ch) und deren Präsident René Ruch ist auch Betreiber von Queens Poker und gewinnt ab und zu ein Pokerturnier in Schaffhausen oder im nahen Ausland. Auch der Vizepräsident Martin Frank ist als Chef des Spielbetriebs des Freerolltempels Pokerpalace.ch in der Schweiz bestens bekannt.

Diese zwei Herren sind also in erster Linie interessierte Veranstalter, welche Pokerturniere aus wirtschaftlichen Überlegungen veranstalten wollen, was ich “per se”, nicht verurteile, weil sie trotz Pokerverbot, Livepoker weiter betreiben.

Leider hält sich die Erscheinung des Schweizerischen Pokerverbands und die dazu gehörigen Aktivität im sehr kleinen Rahmen. Eine Verbandshomepage unter pokerverband.ch oder spov.ch findet man nicht.

Vielleicht wäre ja eine Umbenennung in spvdpv.ch (Schweizerischer Pokerverband der Pokerveranstalter), weniger verwirrend.

Differenzabsprachen und die Zeche für den Pokerspieler

Natürlich habe ich mich über diese oben erwähnten Differenzabsprachen informiert, und dabei ist herausgekommen, dass Pokerturniere höchstwahrscheinlich in zwei Versionen ab 2019 angeboten werden:

  • Variante 1 unter 50 Schweizer Franken – nicht Bewilligungspflichtig
  • Variante 2 bis zu 200 Schweizer Franken – Bewilligungspflichtig
  • Option 3 Cashgame nicht erlaubt

Vielleicht tönt es hier bei vielen Lesern wie Musik in den Ohren: Wieder ausserhalb mit Geldwerten der Casinos Poker spielen zu können.

Doch sind es doch genau diese Turniere, welche dem Pokerspieler nicht entgegen kommen. Sie sind aus professionellen Hinsicht nicht schlagbar, weil die Gebühren dazu nicht “gedeckelt” werden. Also weil Rake (also die Gebühr für den Veranstalter), Eintritt, Stuhlmiete und vielleicht sogar noch “Spielersteuern” noch dazu kommen könnten. Zwar gibt es diese erwähnten Gebühren noch nicht alle, aber ich habe nicht so lange überlegt, um diese zusätzlichen Zuschläge auszudenken. Zudem merkt man heute schon, dass zum Beispiel sich die Getränkekosten in gewissen Freerolltempeln am oberen Ende der Fahnenstange befinden.

Martin Frank, Pokermanager Pokerpalace

Martin Frank, ist nicht für ein Geldspielgesetzreferendum

Variante 1 unter 50 Schweizer Franken – nicht Bewilligungspflichtig

Was würde ein Pokerturnier ohne Kontrolle bedeuten? Auch wenn es “nur” fünfzig Franken kostet, dann muss man sich im Klaren sein, dass dies viel Geld kostet. So muss, dass ein ordentlich bezahlter Dealer kostendeckend arbeitet, eine Rake (Gebühr für den Veranstalter) von mindestens 15 Franken verlangt werden.

  • Reentries würden somit möglich sein (und der Spieler würde dann erheblich mehr Geld verlieren können)
  • Hohe Kosten mit einer Rake über 30 Prozent
  • Keine Kontrolle bezüglich der Struktur (Turbocharakter der Turniere)

Ob ein solches Glückspielformat in einem Pokerclub Bestand haben sollte; für mich wäre es auf jeden Fall nichts. Es würde mich selbst schon bei einer solchen Bewilligung, eines solchen Formats, mit dem Geldspielgesetzreferendum selbst auf den Plan rufen.

Variante 2 bis zu 200 Schweizer Franken – Bewilligungspflichtig

Auch bei dieser Variante habe ich so meine Zweifel, dass man hier faire Bedingungen betreffend Struktur hinkriegen kann. Schon heute kostet ein etabliertes und bekanntes “200 Franken- Freitagsturnier unter Freunden”, 45 Franken Stuhlmiete. Dies sind über 20 Prozent Nebenkosten (ohne Getränke) und somit von selbst von Profis (mit exakter Buchhaltung), nicht schlagbar.

Bis 2010 waren noch 500 Frankenturniere erlaubt, welche heute bei einigen Casinos sogar über mehrere Tage veranstaltet werden. Warum dies jetzt bei 200 Franken gedeckelt wird, hat laut Auskunft des Pokerverbands mit dem Druck der Lotterien bei den Differenzbereinigungsgespräche zu tun.

Schweizer Pokerverband – Schwacher Verhandlungspartner?

Es sind also die reinen Glücksspielorganisationen, wie die Lotterie Romande bzw. Swisslotto und der Casinoverband, welche bei den Verhandlungen den Ton angeben. Sie bestimmen die Details bei der zukünftigen Form von Pokerturnieren.

Wie bitte? Warum lässt sich der Pokerverband hier von einer “branchenfremden Organisation” reinreden?

Natürlich kostet die Veranstaltung von Pokerturnieren, viel Geld beim Personal. Hierfür gibt es schon heute Dealerpools, wie denjenigen vom Pokerpalace, welcher die operative Arbeit in Schaffhausen und Luzern durchführen.

Chef ist Martin Frank und welcher auch Präsident des Pokerverbands ist, welcher mit den Vertretern der reinen Glückspielbranche, in Bern verhandelte.

Hier könnte es natürlich einen Konflikt mit der eigenen Situation geben, weil man die Arbeit bei den Casinos nicht nicht gefährden will. So überlässt man diese, wie zum Beispiel das Osterturnier in Schaffhausen, weiter ihren Kunden, den Casinos.

Natürlich ist dies nicht im Interesse der Spieler oder anderer Anbieter, welche zukünftig mitmischen wollen.

Ja vielleicht würde man sich noch eher an den positiven Geist erinnern, welcher in den Jahren 2007 durch Raffael Bettio und Claudio Chinello geschaffen wurde und ein Wert auf Ambiente, vorbildliche Bewirtung, strikte Vertretung der Pokeretikette und stilvolles Marketing gelegt wurde.

Leider dauerte dies nur bis 2010 in der Schweiz, als genau ein Gerichtsentscheid, verbunden mit einer Beschwerde des Casinoverband gegen Rafi Bettio, diesen positiven Boom, welcher in der freien Marktwirtschaft bei Poker herrschte, und sich wieder unter sich begrub. Damals erfuhr Raffael, weder durch den existenten Pokerverband oder durch andere Anbieter, Unterstützung. So wie jeder Spieler gewinnen will, so wollte damals jeder sein eigenes Süppchen kochen.

Richtiger Verhandlungspartner?

Und genau diese Parteien verhandeln wiederum um die Eckpfeiler bei Poker in der Schweiz. Es geht ihnen, wie vielen Anbietern um ein Stück vom Kuchen, der Rake (Pokergebühr für den Veranstalter), sowie den Restaurationserlösen.

Anmerkung (zur Option Nr. 3): Als regelmässiger Cashgamespieler (Geldspieler), hätte ich mich auch über Verhandlungen betreffend Cashgame gefreut. Auch wäre diese sehr gut regulierbar und man könnte betreffend den Buyins beim Chip wechseln eine Kontrolle, für den Spielerschutz installieren. Leider bewegt man sich in dieser Sache auch ab 2019 noch im Hinterzimmer.

Klar generiert diese Branche Arbeitsplätze, doch was bei diesen Differenzgesprächen vermutlich vergessen wird, ist der Kunde, welcher die Zeche zahlen muss.

Auf der einen Seite bezahlt hier der Spieler mit seiner Moral und auf der anderen Seite mit seinem Portemonnaie.

Über ein Geldspielgesetzreferendum wird von Seiten des SPOV gar nicht nachgedacht.


Geldspielgesetzreferendum aktueller Stand: Kein Konsumentenschutz!

Pokerspieler und Konsumenten von Pokerturnieren, haben bisher keine Rechte.


Wenn ich gefragt werde, aber warum machst du nichts dagegen, ist meine Antwort:

Wenn ich das mache, dann tue nicht ohne Euch!


Dies ist mein Vorschlag:

Gründung einer Ethikkommission, welche überwiegend aus Spielervertreter  besteht.

Wie dies funktionieren kann, lest ihr bitte in diesem separaten Artikel.

Geldsspielgesetzreferendum – aus diesen Gründen!

Doch macht ein Geldspielgesetzreferendum überhaupt Sinn? Ich denke, dass der Volkswillen der Volksabstimmung “Für Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls” nicht umgesetzt wurde. Die reine Glückspiellobby (mit ihrem hohen Lobbybudget) hat bei den Parlamentariern ganze Arbeit geleistet. So wurden viele definierte Themen im Abstimmungstext, außen vor gehalten wurden.

Vor allem Politiker wurden vor der Abstimmung regelrecht mit Veranstaltungen in Casinos und der Lotterien, für Politiker und sonstigen Goodies im Rahmen der “Üblichkeit” gelockt. Die Casino- und Lottolobby auf diese Weise viele Parlamentarier auf einfachste Weise überzeugt.

Mit der Mitbestimmung über Pokerturniere, vor allem durch die Lotteriegesellschaften, wird eine Vermischung von strategischem und reinen Glückspielen, auch vom Schweizerischen Pokerverband akzeptiert, obwohl im Initiativtext die Legalisierung von Pokerspielen explizit reingeschrieben wurde.

Ich bin traurig, dass sowohl die Volksvertreter und der SPOV den Unterschied nicht sehen!

Ein Referendum ist jedoch nicht nur wegen den genannten Gründen von öten, sondern wegen der geplanten IP-Sperren ins Ausland.

Diesen Heimatschutz würden dann immer mehr Branchen auch beanspruchen und fertig ist es mit der liberalen weltoffenen Schweiz.

IP-Sperren  oder Geoblocking sollen in der weltoffenen Schweiz nicht erlaubt sein.

Darum unterstütze die Kampagne zu “Keine Zensur im Internet! – Nein! Zum bevormundenden Geldspielgesetz”

Ach ja wer sich aktiv für die Spieler einsetzen will , der kann sich gerne bei mir melden.

Martin Bertschi

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